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Wie sicher ist unser Kinderspielzeug ?

Alle Eltern wünschen sich höchste Sicherheit für ihre Kinder. Umso trauriger, dass Ende 2010 bei einer Untersuchung der Stiftung Warentest 80% der untersuchten Spielwaren als schadstoffbelastet, 2/3 sogar als stark schadstoffbelastet eingestuft wurden.

Dabei wurde darauf verwiesen, dass Made in Germany nicht besser als Made in China abgeschnitten hat und auch Holzspielzeug wurde seinem guten Ruf in dieser Untersuchung nicht gerecht. Selbst Spielzeug mit Prüfsiegel ist bei der Untersuchung durchgefallen. Der Deutsche Verband der Spielwarenindustrie kritisiert den Test scharf und sagt, die Bewertung sei ohne Sachverstand erfolgt. In einer Stellungnahme wird auf die geltenden chemischen Grenzwerte der EU verwiesen. Verständliche Reaktion aus Sicht der Spielwarenindustrie und es wäre unfair hier den Schwarzen Peter hinzuschieben.

Eine große Gefahr in vielen Plüschtieren, Holzspielzeug oder Babypuppen sind so genannte polyzyklische, aromatische Kohlenwasserstoffe - kurz PAK. Das ist eine Stoffgruppe, von denen viele Vertreter als krebserregend eingestuft werden. Einige können Krebs erregen, das Erbgut verändern oder die Fortpflanzung schädigen. Diese Stoffe können durch die Haut aufgenommen werden, was heißen kann, dass diese Stoffe beim Spielen in die Körper der Kinder gelangen können.

Was kaum zu glauben ist, für PAK in Kinderspielzeugen gibt es momentan Richtwerte für die maximale PAK - Konzentration in Verbraucherprodukten, aber keinen gesetzlichen Grenzwert. In zwei Jahren werden europäische Regelungen diese Werte auch für Deutschland bestimmen. Der Grenzwert für PAK in Autoreifen wird dann mit 0,1 mg/kg sehr viel geringer sein als der Grenzwert für PAK in Kinderspielzeug mit 100 mg/kg. Bei Verpackungen in der Lebensmittelindustrie gilt für PAK übrigens Null Toleranz. Wen wundert es da, dass der Grenzwert für PAK in Kinderspielzeug schon heute von vielen Wissenschaftlern als zu hoch eingeschätzt wird. Experten wie der Bereichsleiter Untersuchungen bei der Stiftung Warentest, Holger Brackemann, halten die rechtlichen Regelungen bezüglich krebserregender Stoffe im Kinderspielzeug für völlig unzureichend und fordern noch vor in Kraft treten der neuen EU-Spielzeugrichtlinie eine Nachbesserung. Ähnlich äußert sich das Bundesinstitut für Risikoforschung. Es schätzt ein: Vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl von Krebserkrankungen bei Kindern ist es dringend geboten, die Exposition gegenüber CMR-Stoffen soweit wie möglich zu minimieren. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die in der neuen Spielzeugrichtlinie der Europäischen Union festgelegten Regelungen für CMR-Stoffe in Kinderspielzeug auf die PAK angewendet und hinsichtlich ihres gesundheitlichen Risikos bewertet. Das Institut kommt zu dem Schluss, dass die derzeit gültigen Werte die Gesundheit von Kindern weder ausreichend schützen noch dem Gebot zur Expositionsminimierung bei CMR-Stoffen genügen.

Einige Verbraucherschützer wünschen sich, Deutschland könnte im nationalen Alleingang PAK in Spielzeugen verbieten. So meint beispielsweise Alexandra Caterbow vom Netzwerk WECF: „Es gilt das Vorsorgeprinzip, wenn Chemikalien in Verdacht stehen, gefährlich zu sein, müssen sie verboten werden.“ Als Beispiel verweisen die Verbraucherschützer auf Länder wie Frankreich und Dänemark die dies beim Verbot von Bisphenol in Babyflaschen vorgemacht hätten, als erkannt wurde, dass Bisphenol A bei Ungeborenen und Kleinkindern Hirnschädigungen hervorrufen kann. Ein noch schönerer Schritt wäre natürlich eine Selbstverpflichtung der Industrie und Produzenten hier verantwortungsvoll zu handeln. So ein blauer Aufkleber mit dem Text PAK-FREI könnte für die Hersteller so manchen Wettbewerbsvorteil im Kampf um einen Platz im Handel und um einen Platz im Einkaufskorb des Endkunden bringen.

Informationen zum Test befinden sich auf der Webseite der Firma Stiftung Warentest. Sehr schade nur, dass dieses sensible Thema auch zum Geldverdienen genutzt wird.

Autor: fp
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