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Berliner Töchter und der Charme von Ostberlin

Wenn Heinke Breuer mit ihrer Kamera durch Berlin geht, ist sie immer auf der Suche nach Bildern der Alltagsgeschichte dieser Stadt.

Anfangs faszinierten sie die Spuren des real existierenden Sozialismus und deren langsames Verschwinden aus dem Berliner Stadtbild. Die Bauten auf der Ostberliner Karl Marx Allee waren einige ihrer ersten Motive. Cafe Moskau, das Kino International oder die Stalinbauten der fünfziger Jahre zählten dazu. Inzwischen ist selbst das Bild einer typischen Ostberliner Bogenlampe ein Klassiker, weil es eben diese Bogenlampe in Stadtbild gar nicht mehr gibt. Dazu gesellten sich alte Leuchtreklamen wie der typische Schriftzug für mittelgroße Einkaufsläden des täglichen Bedarfs im ehemaligen Osten – Lebensmittel. Das Wort Leben im satten Blau ist eines ihrer stärksten Motive als Postkarte und Frühstücksbrettchen und nur noch wenige wissen heute überhaupt, dass dies nur ein Teil des längeren Wortes Lebensmittel ist. Aber den morbide Charme einer vergangen Epoche trifft man nicht nur im Osten der Stadt. So finden sich unter den neueren Arbeiten wunderschöne Bilder der Raststätte Dreilinden im Süden von Berlin, die mit der siebziger Jahre Architektur und dem Abendlicht spielen.

Bei der Idee, Berliner Stadtlandschaften auf Frühstücksbrettchen zu bannen, war sie eine der Pioniere auf diesem Gebiet. Das inzwischen fast jede Firma auch Frühstücksbrettchen heraus bringt, mindert den Reiz an diesem Produkt für sie sehr und so sucht sie weiter nach neuen Ausdrucksformen für ihre Bilder. Magnete, kleine Tischlampen, große Leinwände, Babylätzchen oder Shirts, vorstellen lässt sich noch vieles, was man bedrucken und gestalten könnte.

Seit über zehn Jahren ist Heinke Breuer in Berlin, ihrer Wahlheimat, unterwegs. Am liebsten mit dem Fahrrad, da findet man das richtige Tempo und hat den besten Blick auf die Dinge, und das am liebsten im Spätherbst, da ist das Licht so schön. Gern bringt sie auch Motive aus anderen Städten mit und so gibt es längst Frühstücksbrettchen von München und Hamburg. Hier beweißt sie mit ihrem Bild der Münchner Frauenkirche, das ein längst tot fotografiertes Postkartenmotiv mit dem richtigen Blickwinkel neu interpretiert werden kann.

Ein bisschen mehr Zeit hätte die ehemalige Kommunikationsdesign-Studentin schon für ihre Motivsuche. Aber ihre beiden Kinder, namens gebende Berliner Töchter, der Vertrieb ihrer Produkte, Marketing und Herstellung fordern ihren Tribut. Und so greift sie ihre Kamera und verlässt die Hamburger Messe, auf der sie als Ausstellerin seit Jahren ihre Produkte präsentiert, um für zwei Stunden die lachende Sonne zu nutzen und fotografieren zu gehen, neue Motive, für neue Produkte.

Finden kann man ihre Produkte in zahlreichen Berliner Lifestyleläden wie Schönhauser, Sieben Wünsche oder Ararat, aber auch in einigen Buchläden oder direkt in ihrem eigenen Laden in Berlin Lichtenberg.

Autor: fp
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